Das grosse Interview:
Deshalb ist Elias Vogt die richtige Wahl als Stapi von Grenchen
Weil die Stadt Grenchen die letzten Stapi-Wahlen fehlerhaft durchführte, gelangte der Unternehmer und Naturschützer Elias Vogt ans Bundesgericht – und bekam Recht. Selbst antreten kam für Vogt nicht infrage, er hoffte auf eine gute Kandidatenauswahl bei den Neuwahlen. Da nur die FDP-Kandidatin antritt, steigt nun auch Elias Vogt in das Rennen um die Stadtpräsidenten-Wahlen vom 27. September. Grenchen brauche einen Ausweg aus Misstrauen, Spaltung und Unfähigkeit, sagt er.
Elias Vogt, wie fällt Ihr Entscheid aus?
Elias Vogt: Ich kandidiere.
Aus welchen Gründen?
Grenchen hat viele Jahre hinter sich mit einer politischen Führung, die sich verfahren hat. Nun braucht es jemanden, der nicht aus dieser Politik kommt, der unabhängig ist und für effiziente, funktionierende Prozesse sorgen kann. Das Bundesgericht hat entschieden, dass die Wahl wiederholt werden soll. Die Bevölkerung sollte so noch einmal die Möglichkeit haben, eine Auswahl zu treffen und die dafür nötigen Diskussionen zu führen. Wenn nur eine einzelne Kandidatur vorliegt, ergibt das eine Einbahnpolitik. Doch Grenchen steht vor gravierenden Problemen – sei dies das Lädelisterben, die massiven Schulden der Stadt, die Parkplätze. Es brennt an vielen Orten, darüber muss man reden.
Welchen Hintergrund bringen Sie mit?
Ich bin politisch sehr aktiv und habe in einigen Geschäften die Bevölkerung überzeugen können: Beim Energiegesetz, dem Kita-Gesetz, dem Bahnhof Süd Solothurn. Ich führe mit gutem Erfolg mehrere Unternehmen mit 30 Mitarbeitenden. Ich bin seit 30 Jahren nicht nur in Grenchen daheim, sondern bewege mich aktiv in der Stadt. So habe ich zum Beispiel mit den Behörden zusammen das Leichtathletik-Stadion sanieren können. Ich fühle mich durchaus in der Lage, ein grösseres «Unternehmen» wie die Stadt Grenchen führen zu können.
Bislang standen Sie in Opposition zur politischen Stadtführung und nun wollen Sie Stadtpräsident werden – passt das zusammen?
Die Schulden der Stadt sind in der Regierungszeit der FDP von 60 auf über 112 Millionen Franken getrieben worden. Künftige Steuererhöhungen sind so programmiert – es braucht Gegensteuer. In der Innenstadt hat Grenchen eine Bäckerei verloren, die Chäsi, die Metzgerei, und auf dem Marktplatz passiert nichts, obwohl seit Jahrzehnten darüber geredet wird.
Was werden Sie als Stadtpräsident tuen können, um eine Bäckerei wiederzugewinnen?
Mit den Leuten reden, Ausschreibungen machen, kommunizieren. Die bisherige Politik hat Masterpläne gemacht, Papiere produziert, runde Tische abgehalten. Aber mit Plänen alleine ist es nicht getan. Man muss auf die Leute zugehen, Inserate machen.
Wie wollen Sie die ausser Kontrolle geratene Verschuldung der Stadt Grenchen in Ordnung bringen?
Ich würde mit anderen Städten in der Schweiz und Unternehmen das Potenzial analysieren: Wie schafft man es, die Kosten zu reduzieren und die Einnahmen zu erhöhen? Grenchen muss authentisch sein: Wir sind eine Arbeiterstadt, eine innovative Stadt, eine Uhrenstadt. Das muss man leben. Es braucht aber auch einen guten Draht zur Industrie. Die ETA möchte ja gerne auf der grünen Wiese eine neue grosse Fabrik bauen. Was passiert dann mit ihren Gebäuden im Zentrum? Diese Fragen muss man zusammen frühzeitig angehen.
Wie beurteilen Sie die Ära unter Scheidegger oder die kurze Zeit Sahlis?
Die finanzielle Situation der Stadt ist desolat. Die FDP versprach im letzten Wahlkampf gesunde Finanzen. Doch seither hat sich dieses Problem stark verschlimmert. Das darf nicht sein, Grenchen ist massiv abhängig vom Finanzausgleich. Ich erwarte im Stadtpräsidium jemanden, der die dringenden Probleme anpackt.
Es wäre aber davon auszugehen, dass Sie als parteiloser Stadtpräsident keinen grossen Rückhalt hätten im Gemeinderat. Liesse sich so überhaupt vernünftig arbeiten?
Selbstverständlich. Ich bin auf dem Chasseral auch zuerst als Auswärtiger wahrgenommen worden. Es ist mir gelungen, zu allen einen guten Draht zu finden. Ich politisiere auf der Sach-Ebene, so bringt man Lösungen hin. Das Stapi-Wahlergebnis von Patrick Crausaz hat ja gezeigt, dass die Hälfte der Bevölkerung nicht zufrieden ist mit der FDP-Politik. Ins Vizepräsidium wurde er gar gegen alle Parteien mit zwei Dritteln der Stimmen gewählt.
Die Stadt plant mit dem Kanton eine grosse neue Wirtschaftszone, damit zusammen hängt der Masterplan Zentrum. Wie stehen Sie dazu?
Eine solche Zubetonierung von Kulturland ist völlig unnötig. Es gibt in der Stadt noch genug Potenzial in bestehenden Fabrikgebäuden. Es ist an der Stadt, dieses Thema mit der Wirtschaft zusammen anzugehen.
Können Sie denn transparent machen, wie Sie zum Hotel Chasseral gekommen sind?
Sicher: Indem man mir das Inserat geschickt hat und ich mich gemeldet habe. Man suchte eine Nachfolgelösung und wollte nicht an chinesische Interessenten verkaufen.
Wie sind Sie zu den finanziellen Ressourcen für den Kauf gekommen?
Mit einer hundertprozentigen Bankhypothek. Es gibt einen Schuldbrief über den vollen Kaufpreis. Der Gebäudeversicherungswert lag deutlich höher als der Kaufpreis, dieser ist mir als Eigenkapital angerechnet worden. So war die Finanzierung möglich.
Ein Schlusswort von Ihnen?
Ich bin für das Wohl der Stadt Grenchen, und da braucht es jemanden, der zum Beispiel den Skandal um den EPA-Parkplatz aufrollt. Dort hat die Stadt das Grundstück im Zentrum der Regiobank verkauft, ohne auf Ersatz im Parkhaus zu pochen. 40 Parkplätze gehen verloren, das Gewerbe an der Bettlachstrasse stirbt ab. Und niemand sagt etwas. Über solche Probleme muss man doch reden!
Primärquelle: Bieler Tagblatt / Schweiz am Wochenende, 08.08.2026

